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KunstWortKunst 318   3Beim dritten Durchgang des Kreativwettbewerbs für freies Schreiben „KunstWortKunst“ ließen 49 Neunt- und Zehntklässler von acht Gymnasien aus den Landkreisen Traunstein und Altötting in einem Gemeinschaftsprojekt in Kooperation mit der Stiftung „DASMAXIMUM“ in selbst verfassten Texten Kunst „sprechen“.

In der Aula des Johannes-Heidenhain-Gymnasiums waren Schüler mit Angehörigen, Direktoren, Lehrkräften und einer siebenköpfigen Jury zusammengekommen um die vier Texte der diesjährigen Gewinner vorzulesen und alle teilnehmenden Jungautoren zu ehren.

Zwischen den Lesungen erfreute die Bigband des JHG mit Sabrina Kollmann, einer ehemaligen Schülerin mit großem Singtalent, mit schwungvoller Jazz-Musik. Bei seiner Begrüßungsrede zeigte sich Matthias Schmid, Schuldirektor und zugleich Vorsitzender des Schulclusters, begeistert von der überwältigenden Teilnahme und der guten Resonanz des Schreibwettbewerbs, bei dem Schüler Kunst „anders“ erfahren sollen: „Vielleicht hilft die ein oder andere Geschichte auch dem erwachsenen Betrachter, in Kunstwerken mehr als nur Anlagewerte zu sehen.“

Die Frage „Berührt mich das Werk?“ stellte Museumsleiterin Dr. Birgit Löffler ganz oben an und versuchte die Schüler so für ihre Arbeit zu sensibilisieren. Bei der Betrachtung hochkarätiger Werke der Gegenwartskunst im „DASMAXIMUM“ sollten die Schüler ihrer Fantasie freien Lauf lassen, Assoziationen kommen lassen, um sie dann in Texten festzuhalten. Hier sollte nicht etwa die Frage „Gefällt mir das?“, sondern vielmehr die Frage „Was macht das Kunstwerk mit mir?“ fokussiert werden. Kunst soll im Betrachter etwas bewirken, soll provozieren und berühren.

Literatur, so Literaturwissenschaftlerin Christine Knödler, die den Schülern wertvolle Tipps zum kreativen Schreiben gegeben hatte, soll „nicht nur die Realität beschreiben, sondern das, was die Realität mit uns macht“. Zeit lassen und Zeit nehmen, Kunst wirken zu lassen, und sie wiederum zu neuer Kunst zu verarbeiten. Ein Erfolgsmodell, wie sich herausstellte, und beim Hören der vier ausgewählten Texte spürten alle Anwesenden, dass sich der Kreis geschlossen hatte. Aus Kunst wurden Worte, die wiederum zu Kunst wurden. Was bewegt hat, bewegt weiter, wirkt mit anderen Mitteln und zielt dabei genau da hin, wo es hinzielen soll: In das Innerste.

So hat sich für die 49 Schüler der Aufwand gelohnt: In den weitläufigen Räumen des Museums suchte sich jeder „seinen“ passenden Platz, um von den Gegenwartskunstwerken inspiriert, in sich die Kunst des Schreibens zu entdecken. Anfang Januar beurteilte eine ausgewählte Jury, bestehend aus Germanisten, Kunstwissenschaftlern und dem Ingeborg- Bachmann-Preisträger Norbert Niemann, die unter einem Pseudonym eingeschickten Texte. Angesichts des verblüffend hohen Schreibniveaus fiel die Auswahl allerdings mehr als schwer. Umso spannender war das Hören der Texte, welche gleich im Anschluss feierlich prämiert wurden. Alle Teilnehmer erhielten eine historisch gestaltete weiße Schreibfeder - Symbol und vielleicht ein Anreiz, auch künftig innere Bewegtheit in Worte zu verfassen. Ebenso wird es für die 20 besten Jungautoren eine unvergessliche Erinnerung sein, die verfassten Texte samt ihren zugrunde liegenden Kunstwerken vom Freundes- und Förderverein DASMAXIMUM e.V. in einem kleinen Textband veröffentlicht zu sehen.

In einer Laudatio führte Löffler den ersten Text, „Sky“ von Rebekka Fackler (JHG), ein: Inspiration für ihren Text war ein Werk von Walter de Maria: „The Large Landscapes“. In ihrem Text, der an ein gedankliches Ping-Pong-Spiel erinnert, geht es um Zerstörung und Neuanfang, um die Entdeckung der Schönheit der Welt, nach einem traumatisierenden Ereignis, nach der Frage um das Warum und letztlich um das einzige, was bei dem Empfinden von Machtlosigkeit bleibt: Hoffnung.

Dem zweiten Text: „A Beautiful Mind“, von Jana Mörtl (AKG Traunstein), den Norbert Niemann vorlas, lag Dan Flavins „European Couplets“ als Kunstwerk zugrunde. In ihrer Laudatio beschrieb Löffler ihn als verstörend. Im Zentrum steht ein Mensch, der stört, der anders ist, der in seiner eigenen Welt ein isoliertes, beängstigendes und einsames „weg gesperrtes“ Leben in einer Anstalt fristet.

In Georg Baselitz' Kunstwerk Oda zeigt sich die Welt kopfüber. Iris Rogger (Kumax Burghausen) assoziierte mit seiner Betrachtung eine Geschichte, die zwangsläufig an das Attentat auf den Berliner Weihnachtsmarkt erinnert. Die von Birgit Löffler gelesene Geschichte wird aus der Perspektive eines „Todesengel“ erzählt und beschreibt das Drama einer kleinen Familie, die durch den alles zerstörenden Lastwagen überrollt und getötet wird.

Ein Stuhl mit viel zu langen roten Beinen und gelber Sitzfläche von Uwe Lausen inspirierte Nina Hardebusch (CHGTraunstein) zu einem Gedicht: „Bis zum gelben Faden“. Wie ein Farbenspiel beschreibt die junge Autorin in unglaublich poetischer Wörterflut den inneren Leidensweg eines Menschen bis hin zur Heilung.

Text: Kirsten Benekam

Quelle: Traunreuter Anzeiger

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