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Jugend forscht 320   1Zehn junge Nachwuchsforscher des Johannes-Heidenhain-Gymnasiums Traunreut beeindruckten beim Regionalentscheid von „Jugend forscht“ in Rosenheim. Bei dem Wettbewerb, der bereits zum 55. Mal stattfindet, werden jedes Jahr innovative Forschungsarbeiten von Kindern und Jugendlichen aus dem MINT Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) ausgezeichnet.

Mithilfe ihrer Betreuungslehrer Petra Hochreiter und Christoph Siegmund und durch ihre eigene Neugier und ihren Forschergeist ergatterten zehn Traunreuter Gymnasiasten Platzierungen in den vier Sparten Biologie, Chemie, Geo- und Raumwissenschaften und Technik. Marvin Hanke belegte mit seinem „digitalen Vogelhäuschen“ im Bereich Technik sogar den ersten Platz. 

Der 16-jährige Traunwalchner entwickelte „Birdwatch“, eine selbst gebaute Konstruktion, mit der er beobachten kann, welche Vögel im Winter in seinen Garten kommen und welches Futter sie am liebsten fressen. „Die Idee für dieses Projekt kam mir, als ich im Herbst erstmals den seltenen Eichelhäher in unserem Garten entdeckte“, erinnert sich Hanke. Für seine Konstruktion benutzte der Nachwuchsforscher unter an- derem einen Bewegungssensor und eine Kamera. Außerdem stellte er drei Futterschütten auf, die jeweils mit verschiedenen Vogelfuttervarianten gefüllt waren. Sobald ein Vogel aus einer der Fut- terschütten fraß wurde, ausgelöst durch den Bewegungssensor, ein Foto aufgenommen. Dadurch war es Hanke in mühevoller Kleinstarbeit möglich, die einzelnen Vogelarten und das jeweils favorisierte Futter genau zu bestimmen. 

„Einige Schwierigkeiten, die sich im Laufe der Projektentwicklung ergaben, waren zum einen die Kälte, zum anderen die Nässe, die im Winter in der Natur vorherrschen“, erklärt der Schüler. Beide Probleme löste er weitestgehend selbstständig, indem er ein Programm entwickelte, welches die Temperatur der verwendeten Technik, die regelmäßig entweder unterkühlte oder überhitzte, regulierte. Darüber hinaus nutzte er eine Wärmematte, um die von der Kälte beschlagene Linse der Kamera aufzuheizen. Um die technischen Geräte vor Nässe und Regen zu schützen, verpackte er sie schlicht und einfach in einer Brotzeitbox. 

Der Zehntklässler, der vor allem in naturwissenschaftlichen Fächern herausragende Leistungen erbringt, möchte auch nach seinem Abitur in die Technikbranche und überlegt, Informatik zu studieren. Sein nächstes Ziel ist es, für sein „digitales Vogelhäuschen“ eine App zu entwickeln, sodass auch andere Menschen mehr über unsere heimischen Vögel er fahren können. Mit seinem Projekt darf Hanke ab dem 31. März am „Jugend forscht“ Landeswettbewerb in München teilnehmen. 

Beim Regionalwettbewerb waren zudem einige seiner Mitschüler erfolgreich: Sebastian Sändig und Xaver Schultes aus Gengham (Palling) belegten den zweiten Platz im Bereich Geo- und Raumwissenschaften mit ihrer Forschung über natürliche und künstliche radioaktive Strahlung. Sie untersuchten, wie stark verschiedene Steinarten strahlen und fanden zudem heraus, dass die Pilze aus dem bayerischen Wald, der nach Tschernobyl besonders stark belastet war, vier- mal so stark strahlen, wie Traunreuter Pilze. 

Auf dem dritten Platz in derselben Sparte landete Titian Sändig, ebenfalls aus Gengham. Er versuchte den Asteroiden „Tassilo Schwarz“ zu finden, der nach dem erfolgreichen Seeoner Nachwuchswissenschaftler Tassilo Schwarz benannt wurde. Im Jahr 2016 war Schwarz, ebenfalls ein ehemaliger Schüler des JHG, selbst Bundessieger des Wettbewerbs „Jugend forscht“, worauf- hin er seine Idee für ein „Droh- nenabwehrsystem“ sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel präsentieren durfte. „Durch Jugend forscht hatte ich die Möglichkeit zahlreiche Unternehmen und neue Freunde aus der ganzen Welt kennenzulernen“, erzählt Schwarz. Mit dem deutschen „Jugend forscht“ Nationalteam reiste er sogar bis nach Los Angeles. Heute studiert er an einer renommierten Schweizer Universität Informatik und zeigt dadurch, dass „Jugend forscht“ ein Sprungbrett für die weitere Karriere der Jugendlichen sein kann. 

Vielleicht sogar für Evelyn Engelman aus Traunreut und Jonas Ehinger aus Sondermoning, die jetzt in Rosenheim in der Sparte Biologie den dritten Platz abräumten. Sie untersuchten die antibakterielle Wirkung des von Bienen produzierten Stoffes Propolis. Ebenfalls den dritten Platz, aber im Bereich Chemie, konnten sich Felicitas Lier aus Chieming und Chiara Hanke aus Traunwalchen sichern. Sie stellten natürlichen Nagellack aus Harzen her und nutzten dazu Naturfarbstoffe, wie rote Beete oder Kurkuma. Den Sonderpreis im Bereich Biologie gewannen Valeria Regel aus Altenmarkt und Theo Bosold aus St. Georgen. Sie konditionierten Farbmäuse darauf, Tabak zu suchen und zu finden. 

Als besondere Auszeichnung für ihr Engagement bekam die Betreuungslehrerin Petra Hochreiter den „Sonderpreis für engagierte Talentförderer“ verliehen. Sie betreut die jungen Nachwuchsforscher am JHG seit 2011, sowohl bei wöchentlichen Treffen am Nachmittag, als auch in ihrer Freizeit. „Am meisten Freude bereitet es mir zu sehen, wie es interessierte, junge Talente schaffen, aus einer anfänglichen Idee ein richtiges Projekt zu entwickeln“, so Hochreiter. Ebenfalls mache es sie stolz zu sehen, wie auch anfangs schüchterne Schüler über sich hinauswachsen und ihre Projekte vor einem großen Publikum und einer Fachjury präsentieren. 

Lisa-Marie Wagner

 

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