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Prei testFür den Deutschunterricht der 6. Klasse steht das Erzählen im Lehrplan. Wir hatten uns für die Detektivgeschichte entschieden und angefangen, eine eigene Detektivin oder einen Detektiv zu gestalten. Heraus kam schließlich unsere Frau Rot, eine 70jährige Dame, die – logisch! - rote Kleidung liebt, gerne Rad fährt und am Tatort Breze isst. Natürlich braucht jede anständige Detektivin ein Markenzeichen und das war ihr Dialekt.

Sie begrüßte also ihre Auftraggeber mit einem herzhaften “Griaß di” und verabschiedete sich schon einmal mit “Habe die Ehre”. Die bayerischen Schüler ließen sich noch mehr einfallen. Es entstanden sehr lustige Aufsätze. Nach der Schulaufgabe tat es uns allen leid um unsere Frau Rot und wir beschlossen ein bisschen weiterzumachen. Schließlich wollten wir aber einen neuen Detektiv und einen anderen Fall. Irgendjemand kam auf den Gedanken, dass der neue Fall etwas mit Leberkäs zu tun haben sollte. Vielleicht kam der Schüler gerade mit einer Leberkassemmel vom Pausenverkauf? So wurde Sepp geboren, der Traunreuter Detektiv. Und der sollte auch ein echter Bayer sein! Sein erster Fall sollte ihn nach Palling führen, wo dem Wirt das Rezept für den besten Leberkäs der Welt gestohlen worden war. Da einige aus der Klasse im Pallinger Theater oder in unserer Theatergruppe am JHG aktiv sind, sollte aus der Geschichte ein Theaterstück werden.

Die Ideen der Schüler wurden gesammelt, in Szenen unterteilt und zum Weiterschreiben auf kleine Autorenteams verteilt. Dieser Stand des Projektes wurde in ein Etherpad geladen. Auf ein Etherpad kann jeder zugreifen und mitschreiben, der die Zugangsdaten kennt. Jeder kann es auch zerstören. Aber da die Klasse 6a wunderbar zusammenhält und das Stück unbedingt fertig bekommen wollte, gab es damit nie ein Problem.

Es gab (und gibt) bayerische und nichtbayerische Figuren, weil wir in Traunreut viele Schüler haben, die sich mit dem bayerischen Dialekt schwertun. Die wollten dann die “Preißen” spielen. Manche trauten sich aber auch daran, die bayerische Rolle zu übernehmen und entsprechend Nachhilfe bei Klassenkameraden zu nehmen.

Schließlich hatten wir uns entschieden, wer der Täter (oder die Täterin) sein sollte und wie das Stück enden sollte. Unser Stück war fertig! Die Schüler der Klasse, die Lust auf eine Rolle hatten, bewarben sich. Andere überlegten sich, wie sie mit ihren Fähigkeiten im Schminken oder als Techniker helfen können, denn schließlich ist es ein Projekt der ganzen Klasse! Auf wunderbare Weise fand jeder seine Rolle oder Aufgabe.

Zwischenzeitlich hatten wir gehört, dass es einen Wettbewerb der Bayerischen Trachtenjugend unter dem Stichwort „Nestgeflüster“ gibt. Fest entschlossen, den natürlich zu gewinnen, begannen wir mit Proben am Nachmittag und erstellten parallel Audiofiles, um die Jury auch akustisch zu überzeugen. Wir waren gerade dabei, als am 13.3. die Corona-Pandemie alle unsere Pläne zunichte machte. Den Wettbewerbsbeitrag stellten wir als Text trotzdem fertig und reichten ihn ein. Hoffentlich haben wir im nächsten Jahr die Möglichkeit, Ihnen und euch das ganze Stück noch vorzuführen!

Die vielen lustigen Ausdrücke (und einige mehr) haben wir noch in ein Quiz gepackt, zu dem der QR-Code führt. Außerdem können Sie und könnt ihr hier eine kleine Kostprobe aus dem Stück „So a Schweinerei lesen“, in der die Restaurantkritikerin mitten in die Ermittlungen nach dem Dieb des besten Leberkäs-Rezeptes der Welt gerät und ein wenig auf den Arm genommen wird. 

Viel Spaß damit!

StDin S. Hollmann im Namen der Klasse 6a

 

Man kann auch über den Link zum Quiz kommen:

https://www.bookwidgets.com/play/54MP5Z?teacher_id=6111087697068032

 

Szene 5

Restaurantkritikerin Agathe (inkognito), Wirt Michel Oberhuber, Detektiv Sepp Schweinshax, Gäste Jacqueline, Pauline, Franz, Pauli

 Plötzlich kommt eine sehr feine Frau herein, setzt sich umständlich hin und ruft mit affektiertem Tonfall. Die anderen spielen derweil Karten. Sepp und Wirt schauen zu und bemerken Agathe zuerst nicht. Der Wirt hat das Rezept nicht mehr und kann deswegen den berühmten Leberkäse nicht backen.

Agathe schaut zur Gruppe und geht dann zum freien Tisch. 

Agathe:                     Bedienung! Bedienung. Ich würde gerne essen.

Oberhuber:                Wart amoi kurz, Sepp. De Bedienung is nimma do. Jetz muas I de Frau da schnei bediena. I bin glei wieda do.

Der Wirt geht zu Agathe. Agathe ist eine Restaurantkritikerin, aber der Wirt weiß nichts davon.

Oberhuber:               Wos derf I bringa?
Agathe:                     Ich hätte gerne einen original Pallinger Leberkäse mit Breze und Ketchup.

Jacqueline, Josefa und Pauline tuscheln.

Jacqueline:               De isst an Leberkas mit Ketchup. Des is ja greißlich!

Pauline:                     Scho, ge! 

Franz:                        Das schlägt dem Fass die Krone ins Gsicht!

Pauline:                     Da hast Recht. Ausnahmsweis!

Josefa:                      Des tat I ned essn.

Franz:                         Dera Frau muaß I a bisserl Nachhilfe gem. Er erhebt sich. De kennt sie ja gar ned aus.

Pauli:                         Wart! I heif da!

Josefa:                      Des werd wos wern!

Pauli steht auch auf. Die beiden gehen zu Agathe.

Oberhuber zu A:      Der wird grad frisch gmacht. Da missans a bissi wartn.

Oberhuber geht zur Gruppe zurück.

Oberhuber zu S:      Jetzt werds krawuttisch! Jetzt muaßt ma heifa.

Sepp macht beschwichtigende Gesten und klopft Michel auf die Schulter. Pantomime. Beide ab

Franz:                        I bin so frei.

Pauli:                         I a.

Agathe:                      Nur zu, junger Mann. Ich unterhalte mich gerne mit den Hiesigen. So erfahre ich mehr über das Etablissement und seine Qualitäten.

Franz:                         I bin a echta Eingeborener! Mia san schon seit vielen Generatoren in Palling!

Agathe:                      Was Sie nicht sagen! Das ist ja interessant! Gibt es hier auch Veranstaltungen? Ich meine Musik und Tanz?

Franz:                        Ja freilich. De gibts oft gnua.

Pauli:                         Soi I oan aufpsuin? Wart! I hoi mei Ziach!

Pauli steht auf. Jacqueline, Pauline und Josefa brüllen: Nein!!! Pauli setzt sich schmollend wieder hin. Agathe schaut derweil Franz tief in die Augen.

Franz:                         Jaja, zu sowos, da deafan a Preißn hi. Mia san da ned aso. Mia in Palling han a bisserl multikulti.

Agathe kichert:         Da ist ja nett von Ihnen, junger Mann. Auf das nette Angebot komme ich gerne zurück.

Pauli:                         Und da gibt´s imma guade Sachn. Der Wirt lasst sie ned lumpn!

Agathe:                      Geben Sie doch einmal ein Beispiel. Sie müssen wissen - verschwörerischer Blick - ich bin Restaurantkritikerin. Ich schreibe für ein überregional bekanntes Magazin.

Franz:                        Wos hann Sie?

Pauli zu Franz:        Die Dame ist ein Essens-TÜV.

Franz:                        Wos ois gibt!

Agathe:                     Und ich unterhalte einen Gastro-Blog über bayerische Küche und Lebensart.

Franz:                        Was füa an Block?

Pauli:                         De schreibt im Internet übas Essen

Agathe:                     Ja, ja. Ich bin eine sehr bekannte Influencerin!

Franz schüttelt den Kopf.

Franz:                        Wois ois gibt!

Agathe:                      Ich lade die Informationen gleich hoch. Meine Leser werden begeistert sein! Die Zahl meiner Follower wird steigen und steigen!

Agathe zückt ihren Laptop und klappt ihn auf.

Agathe:                      Können Sie mir ein paar Empfehlungen geben? Ich meine, was meine Leser sich hier außer dem bekannten Leberkäse noch bestellen sollten?

Pauli tut so, als wolle er nachdenken und kratzt sich am Kopf.

Pauli:                          Da woas I wos. Der Gast bsteid si do allaweil a bsunders Bier. Des hoaßt "Weißbier soachwarm".

Franz will ihn korrigieren und stupst ihn an.

Franz:                        Du Pauli ...

Pauli:                         Staad bist!

Franz grummelt und verstummt.

Agathe tippt eifrig in den Rechner.

Agathe:                      Das muss ich gleich live in meinen Blog schreiben. Also "Weißbier soach...???"

Pauli:                          Genau. "Soachwarm"! Eine Spezialität! Und dann ghert zu so am köstlichen Bier unbedingt de passende Hauptspeis.

Agathe:                     Bitte verraten Sie mir, was es da wiederum Gutes gibt.

Pauli:                          Bstell imma a Gschwerl zum soachwarma Bier. Des is a Einheit. Aba da muaßt aufpassen.

Agathe:                     Worauf muss ich denn aufpassen?

Pauli:                          A so a Gschwerl gibts ned olle Dog. Kannt sei, dass da Wirt grod koans hod. Du fragst ganz nett "Hat´s es a Gschwerl?", dann merkt a, dass du di auskennst. Nacha kriagst as a.

Agathe:                      Gut zu wissen. Also sage ich "Hat´s es a Gschwerl", was soviel heißt wie "Habt ihr ein Geschwerl für mich?". Und was kommt dann?

Pauli:                         Des is a ganz a bärigs Schweinernes.

Agathe:                     Also Schwein. Gut. Das ist nahrhaft. Ich schreibe das sofort in meinen Blog.

Agathe tippt und wiederholt alles.

Agathe:                     Hat´s es a Gschwerl ... Habt ihr ein Geschwerl für mich ... gut, das haben wir.

Pauli:                          Und wenns dir geschmeckt hat, dann sogst "danke" und machst am Koch a Kompliment. Du sagst einfach "Es hats soichane Dodschn da ummanand". Dann greit si de ganze Belegschaft.

Agathe:                      Wie nett. Das werden meine Leser sicher gerne beherzigen. Wie heißt das gleich noch einmal.

Pauli:                          "Es hats soichane Dodschn da ummanand". Des hoaßt "Ihr seid total gut hierherum".

Agathe:                     Herrlich! Meine Leser werden es lieben.

Agathe tippt.

Pauli:                          Und dann gibst der Kellnerin a Trinkgeld. Da sogst dann: "Mogst a Wadschn?" Des hoaßt: Möchten Sie bitte ein kleines Trinkgeld annehmen?

Agathe:                      Wunderbar! Vielen Dank. Ich habe alles notiert. Das wird ein schöner Artikel mit viel Lokalkolorit. Ich sehe schon die Überschrift: "Auf Entdeckungstour in original bayerischen Gaststätten!"

Pauli:                         Jetzt kimmt dei Lebakas. Lossn da guad schmecka! Mit Ketchup is der suppa!

Agathe:                     Vielen, vielen Dank!

Händeschütteln

Pauli und Franz gehen wieder an ihren Tisch.

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