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„Foto Franz Kimmel © VG Bild-Kunst Bonn 2015“Für Anja Perschl hat sich die Fleißarbeit ausgezahlt: Die 15-Jährige vom Johannes-Heidenhain-Gymnasium ist eine der vier Gewinner beim Wettbewerb „KunstWortKunst“, initiiert vom Museum „DASMAXIMUM“. Vorgestellt und prämiert wurden die Arbeiten am Sonntag bei einer Feier im Chiemgau-Gymnasium in Traunstein, bei der es viel Lob für die jungen Nachwuchsautoren gab.

„Eigentlich hätten alle gleichermaßen zum Sieger erklärt werden müssen, denn allein, dass sie bereit waren, außerhalb der Unterrichtszeit an ihren freien Nachmittagen ins Museum zu gehen, um anschließend einen literarischen Text zu verfassen und einzureichen, ist gar nicht hoch genug zu bewerten“, betonte Klaus Kiesl, Schulleiter des Chiemgau-Gymnasiums bei der Begrüßung der Festgäste. Direktor Robert Anzeneder vom Heidenhain-Gymnasium gestand in seinem Grußwort, dass ihm beim Sichten der Arbeiten bewusst geworden sei, welch unvollständiges Bild Lehrer von ihren Schülern hätten. „Dann liest man diese Texte und merkt plötzlich, was, abseits von Lateinvokabeln oder Matheformeln, in diesen jungen Menschen steckt, mit wie viel Engagement und Frische man einen Text verfassen kann, ohne Rücksicht auf Lehrpläne oder Grammatikregeln.“

Insgesamt 46 Arbeiten von Zehntklässlern landeten am Ende auf dem Tisch der Juroren, darunter der Schriftsteller Norbert Niemann und Christine Knödler, Lektorin und Lehrbeauftragte an der Ludwig-Maximilians-Universität München, die die schwierige Aufgabe hatte, die vier Sieger auszuwählen. Knödler gestand in ihrer Laudatio, dass sie ebenfalls baff gewesen sei, wie viele der Arbeiten auf qualitätsmäßig hohem Niveau rangieren. Zusammen mit Birgit Löffler, Direktorin des „MAXIMUM“ überreichte sie allen Teilnehmern Urkunden, die Schüler des Hertzheimer-Gymnasiums Trostberg als Unikate gefertigt hatten. Als kleines Dankeschön gab es zudem eine historisch gestaltete Schreibfeder, die, so Direktor Anzeneder, gut auf den Schreibtisch passe, um damit in Zukunft Notizen und Ideen festzuhalten. „Schreiben Sie ruhig mehr mit der Hand“, empfahl der Schulleiter, der sich bei den mit der Organisation betrauten Pädagogen der jeweiligen Schulen bedankte, insbesondere Theresia Bauer und Werner Wenesz. „Die beiden haben sich eine Menge Arbeit gemacht, um die Veranstaltung so auf die Beine zu stellen.“ Anzeneder freute es besonders, dass der Versuch, einmal etwas ganz Neues zu wagen, am Ende aufgegangen sei.

Die bisherigen Aktivitäten der Cluster-Schulen – einem von der TU-München ins Leben gerufenen Verband, der zum Ziel hat, in einer Art „Joint-Venture“ Veranstaltungen durchzuführen, die einzelne Gymnasien allein nicht stemmen können – hatten sich bisher auf den naturwissenschaftlichen Bereich beschränkt. Die Beteiligung am Schreibwettbewerb habe aber gezeigt, dass sich junge Menschen auch für kreative Projekte begeistern lassen. Wenn man dann noch eine so hochkarätige Institution wie „DASMAXIMUM“ mit einer museumspädagogisch so engagierten Leiterin wie Birgit Löffler direkt vor der Tür habe, müsse man ein derartiges Angebot einfach aufgreifen. Dass von den anfangs knapp über 50 Teilnehmern 46 eine Arbeit eingereicht haben, zeigt auf jeden Fall, dass es durchaus noch Jugendliche gibt, die auch abseits von SMS oder Facebook etwas Kreatives zu Papier bringen möchten.

Bestes Beispiel dafür ist Anja Perschl, deren Geschichte „Der Stuhl“ zu den vier Gewinnern gehört. Wie alle Teilnehmer musste sie sich zum Auftakt des Wettbewerbs im „MAXIMUM“ ein Kunstwerk aussuchen, das sie inspiriert. Das sei eigentlich die schwerste Aufgabe gewesen, gesteht die 15-Jährige, die dann die Idee hatte, ihre Erlebnisse im Museum in einen fiktiven Text einfließen zu lassen. Anja Perschl beschreibt in der Geschichte, wie ein Museumsbesucher immer wieder einen überdimensional hohen Stuhl umkreist – ein Kunstwerk von Uwe Lausen, das im „MAXIMUM“ zu sehen ist – und sich Gedanken macht, was der Künstler gedacht haben könnte, als er sein Werk schuf. Dabei kommt er oder sie mit verschiedenen Personen ins Gespräch, einem Museumswärter und anderen Jugendlichen. Der Leser merkt im Lauf des Textes, wie unterschiedlich Menschen auf einen vermeintlich banalen Stuhl mit zu hohen Beinen reagieren – und dabei ihre ganz subjektive Einstellung zum Leben erkennen lassen. Anja Perschl gelingt es dabei, verschiedene Charaktere zu entlarven, darunter den stereotypen Nerd und die oberflächliche Zicke --, um für sich selbst dann zum Schluss zu kommen, dass man seine eigenen Erwartungen an die Zukunft – ein Thema, das sich durch viele der eingereichten Geschichten zog – vielleicht lieber etwas niedriger schrauben sollte, um nicht Gefahr zu laufen, den hohen Stuhl gar nicht besteigen zu können – oder womöglich schnell von diesem wieder herunterzufallen.

Die Nachwuchsautorin, die in Altenmarkt zu Hause ist, verrät, dass sie, nachdem sie den „Aufhänger“ für die Geschichte gefunden hatte, mit dem Schreiben zügig vorangekommen sei. Noch im Museum habe sie mit dem Text begonnen, und ihn daheim dann in ein, zwei Stunden fertig gehabt. Der Clou dabei ist, dass sie beinahe gar nicht am Wettbewerb teilgenommen hätte. Denn ihre Freundin, mit der sie vereinbart hatte, dass sie gemeinsam mitmachen würden, sei plötzlich abgesprungen und dann habe sie sich auch wieder abgemeldet. Zum Glück konnte ihre Lehrerin Theresia Bauer sie überreden, trotzdem mitzumachen. Denn neben der Erfahrung, ihren Text gedruckt zu sehen – der Förderverein „DASMAXIMUM“ hat die besten 15 Arbeiten in einem Büchlein herausgebracht – wartet auf Anja Perschl ein attraktiver Preis: Die vier Gewinner, neben der Altenmarkterin noch Annalena Plereiter vom Chiemgau-Gymnasium Traunstein, Max Christis vom Hertzhaimer-Gymnasium Trostberg und Annalena Plerreiter vom Kurfürst-Maximilian-Gymnasium in Burghausen, dürfen wahlweise einen Tag lang bildenden Künstlern oder Mitarbeitern in einem Verlag über die Schulter schauen.

S. Mittermaier

„Foto Franz Kimmel © VG Bild-Kunst Bonn 2015“

 „Foto Franz Kimmel © VG Bild-Kunst Bonn 2015“

 

„Foto Franz Kimmel © VG Bild-Kunst Bonn 2015“ „Foto Franz Kimmel © VG Bild-Kunst Bonn 2015“
„Foto Franz Kimmel © VG Bild-Kunst Bonn 2015“ „Foto Franz Kimmel © VG Bild-Kunst Bonn 2015“
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