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Lesung D 1218   2Die Ankündigung, dass eine berühmte Autorin wie Judith Hermann, deren Geschichten in manchen Bundesländern sogar Abiturstoff sind, eine Lesung am JHG halten würde, führte bei uns zu echter Vorfreude. Am Donnerstag, dem 29.11.18 war es endlich so weit: Nach der Darbietung des Songs „Read all about it“ durch die Schulband und einer kurzen Begrüßung durch Schüler der Q11 trat Judith Hermann ans Lesepult.

Zunächst trug sie die Kurzgeschichte „Sommerhaus, später“ aus dem gleichnamigen Erzählband vor. Diese Geschichte hatten wir schon im Deutschunterricht besprochen, was allerdings nur dazu führte, das wir umso aufmerksamer zuhörten. Hermanns Schreibstil ist sehr reduziert und klar. Teilweise wirken von ihr geschriebene Szenen wie Fotografien. In der auf die erste Geschichte folgenden Fragerunde erklärte die bekannte Autorin unter anderem, woher ihre Inspiration kommt. Viele ihrer Geschichten haben reale Vorbilder, vor allem aus dem Bekanntenkreis der Autorin. „Dadurch geriet ich ein bisschen in Schwierigkeiten“, kommentierte Frau Hermann das lächelnd. Vor dem Schreiben macht die Autorin sich einen Plan im Kopf. Ab einem bestimmten Punkt im Schreiben verselbstständigt die Geschichte sich. Für die Autorin ist dies der schönste Moment des Schreibens. Wenn die erste Version einer Kurzgeschichte fertig ist, folgen mehrere Fassungen, aus denen noch Details gestrichen werden – bis zur Endfassung. Auf die Frage, was denn nach dem Ende von „Sommerhaus, später“ geschehe, entgegnete Hermann, sie wisse, wie es ausgeht, wolle es aber nicht erzählen.

Lesung D 1218   1Auch die zweite Geschichte, die Judith Hermann vorlas, „Rote Korallen“, gehört zu dem ersten Erzählband der Autorin. Nach einem kurzen Moment der Stille folgte eine zweite Fragerunde. Die Antworten begeisterten nicht nur durch die eloquenten Formulierungen, sondern auch und vor allem durch die Offenheit, mit der die sympathische Autorin den Fragen der Schüler begegnete. Beispielsweise verglich sie ihren Beruf mit archäologischen Grabungsarbeiten und erzählte, ihr Computer sei „voll von liegengelassenem Zeug“, das „der Zensor in ihr“ nicht gut genug fände.

Die offenen Antworten sorgten auch für offene Fragen. Besonders bei der Erkundigung, was sie sich denn eigentlich davon erhoffe, vor uns zu lesen, war die Spannung groß. Hermann erwiderte darauf gelassen, sie versuche uns zum Lesen zu bringen – und zwar nicht nur ihre Bücher. „Lesen ist ein Schritt aus dem eigenen Leben in ein anderes Leben“, erläuterte sie. Sie wünscht sich, dass das so viele Menschen wie möglich erkennen.

Diesem Appell kann man sich wohl nur anschließen.

Anne Horn (Q12)

 

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