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Frau PHM‘in Michaela Hofmeister ist Präventionsbeamtin der Bundespolizeiinspektion Freilassing. Sie hielt am 19.7.19 in jeder 7. Klasse des JHG einen sehr anschaulichen und eindringlichen Vortrag zum Thema „Straftaten“ im Rahmen der allgemeinen Aufgaben der Bundespolizei.

Zu Beginn stellte sich die sympathische Beamtin in der jeweiligen Klasse kurz vor und erläuterte mit einer Power Point Präsentation die Aufgaben der Bundespolizei. Sie ist u.a .z. B. zuständig für Grenzkontrollen, Flughafen und sie hat ihren Einsatzbereich an Bahnanlagen. Die Bundespolizei hat eine Fliegerstaffel und die Küstenwache überwacht die Einreise über das Meer. Der bekannte Traunsteiner Hubschrauber „Christoph14“ wird ebenfalls von einem Bundespolizisten gesteuert.

Anschließend erarbeitete Frau Hofmeister mit ihrer Power Point Präsentation „Verhinderung von Straftaten“ mit den Schülerinnen und Schülern gemeinsam das Thema Gewalt. Anhand eines Beispiels wurde den Jugendlichen klar, dass Gewalt genau da beginnt, wo der Betroffene eine Handlung als Gewalt empfindet. D. h. ein anderer verstößt  mit seiner Handlung gegen den Willen des Betroffenen und begeht somit – je nach Alter – eine Straftat.

Nun wurden unterschiedliche Arten von Gewalt besprochen:

Seelische Gewalt liegt zb. bei Beleidigungen, übler Nachrede oder Mobbing vor.

Körperliche Gewalt ist selbsterklärend. Die Beamtin erklärte der jeweiligen Klasse aber auch, dass die Sportler (z. B. Fußballer, Boxer etc.) durch die Teilnahme bei ihren Spielen und Wettkämpfen Verletzungen, die durch andere Sportler verursacht werden, in Kauf nehmen und es sich somit um keine Straftat handelt.

Materielle Gewalt wird begangen, wenn Dinge mutwillig zerstört oder verschandelt werden. Der Straftatbestand ist dann die Sachbeschädigung. 

Die Schülerinnen und Schüler wurden stets mit einbezogen und konnten ihr Wissen und ihre Fragen einbringen, sodass eine gute Stimmung und eine spannende Atmosphäre herrschten.

Nun machte die Präventionsbeamtin den Klassen mit einem Beispiel deutlich, wie jemand – abhängig vom jeweiligen Alter – bei ein und derselben Tat in den Bereichen „Straftat“ und „Schadensersatzleistung“ eingestuft wird.

Kinder unter 7 Jahren sind z. B.  schuldunfähig.Ab 7 Jahren muss man für den entstandenen Schaden aufkommen. An dieser Stelle wurde es für die Schülerinnen und Schüler sehr interessant, da sie z. T. schon 14 Jahre alt und somit auch strafmündig sind oder es in Kürze werden. Die Beamtin erläuterte den Klassen weiter, dass im Alter zwischen 18 und 21 entweder das Jugendstrafrecht oder auch das Erwachsenenstrafrecht – je nach Entwicklungsstand des Täters – angewendet wird.

Im nächsten Teil ihres Vortrags zeigte Frau Hofmeister auf, welche Arten von Strafen der Jugendrichter verhängen kann. Mit diesen Strafen möchte der Gesetzgeber bewirken, dass die Jugendlichen zum Nachdenken und Umdenken bewegt werden:

Zu den Erziehungsmaßregeln gehört z. B. die angeordnete Mithilfe des Jugendamtes bei der Erziehung, die Heimerziehung für eine bestimmte Zeit, betreute Wohnformen, angeordnetes Antiaggressionstraining und Weisungen (bestimmte Orte darf der Täter nicht mehr aufsuchen). Oftmals werden auch mehrere der oben genannten Punkte vom Jugendrichter angewiesen. 

Ein Beispiel für sogenannte Zuchtmittel ist zB. das Verfassen eines  4 – 10- seitigen Entschuldigungsschreibens. Hier ist interessant, dass der Jugendrichter dieses gegenliest und den Straftäter auffordern kann, etliche Seiten  nochmals zu schreiben. Als die Jugendlichen dies hörten, stöhnten sie heftig! Weitere Zuchtmittel sind Arbeitsleistungen und Sozialstunden, bis hin zum Jugendarrest. Dieser kann z. B. bei einer Bedrohung mit einem spitzen Gegenstand verhängt werden. Solch ein Jugendarrest ist in Landshut. Von Freitagmittag bis Sonntagabend verbringt der Täter seine Zeit dort ohne jeglichen Kontakt zur Außenwelt - und dies über mehrere Wochenenden oder sogar in den Ferien.

Bei ganz schweren Straftaten muss der jugendliche Täter in ein Jugendgefängnis (z. B. Laufen-Lebenau). Er  kann hier ggf. einen Schulabschluss absolvieren oder eine Ausbildung machen, so dass er nach Absitzen seiner Strafe die Möglichkeit der Resozialisierung hat.

Den Schülerinnen und Schülern sah man deutlich an ihren Gesichtern an, dass sie das alles nicht erleben möchten!

Weiter besprach Frau Hofmeister mit den Jugendlichen noch alles rund um die einfache, gefährliche und schwere Körperverletzung:

Der Versuch der einfachen Körperverletzung ist bereits strafbar. Als Opfer darf man sich wehren, aber nur so, dass man den Angriff abwehrt. Falls man zurückschlägt, begeht man selbst eine Straftat! Auch muss die Notwehr verhältnismäßig sein.

An dieser Stelle lagen der Beamtin die Mädchen ganz besonders am Herzen: Sie erklärte ihnen, dass sie sich gegen einen großen, kräftigen Mann mit allen notwendigen Mitteln wehren dürfen, um sich aus seinem Griff zu befreien.

Eine gefährliche Körperverletzung liegt dann vor, wenn diese mit einem Gegenstand verübt wird. Dazu zählen auch die Ko-Tropfen! Ebenso handelt es sich um eine gefährliche Körperverletzung, wenn mehrere Personen auf eine einzige Person einschlagen oder wenn einer schlägt und ein anderer danebensteht, aber bereit ist auch zu zuschlagen.

Das Strafmaß bei gefährlicher Körperverletzung liegt beim Ermessen des Jugendrichters aber oftmals ist dies  Jugendarrest. 

Nun brannte den Schülerinnen und Schülern natürlich die Frage „ Wie verhalte ich mich, wenn ich Zeuge einer Schlägerei o. ä. bin?“ auf den Nägeln. Frau Hofmeister erläuterte ihnen, dass sie sich auf keinen Fall selbst in Gefahr bringen dürfen, dass sie am besten 112 anrufen sollen, denn die Rettungsleitstelle organisiert Polizei und Krankenwagen. Außerdem sollen sie gezielt andere Passanten ansprechen und diese auffordern zu Helfen. Oftmals wäre die Zeit bis zum Eintreffen der Rettungskräfte oder der Polizei zu lange und das Opfer könnte schwere Schäden davontragen. Wer nicht hilft, macht sich strafbar!

Die Jugendlichen konnten nun folgern, dass eine schwere Köperverletzung an den bleibenden Schäden des Opfers erkennbar ist (taub, blind, geistig behindert etc.). Das Strafmaß hierbei könnte ein Aufenthalt im Jugendgefängnis sein.

Zum Schluss ihres Vortrags berichtete die Präventionsbeamtin das Prozedere bei Mitnahme eines Verdächtigen/Täters auf die Dienststelle:

Im Durchsuchungsraum wird der Täter komplett durchsucht. Ggf. werden Fingerabdrücke und Fotos gemacht, um die Person erkennungsdienstlich zu Behandeln. Das Handy wird je nach Tat zur Beweissicherung beschlagnahmt, wenn davon ausgegangen werden kann, dass sich Beweismittel auf diesem befinden. Bei bestimmten Straftaten können auch  Wohnungsdurchsuchungen die Folge sein. Deshalb rät die Beamtin den Schülerinnen und Schülern auf ihren Umgang zu achten, um nicht in den Kreis der Verdächtigen zu geraten und obiges zu erleben.

Die Jugendlichen waren von dieser Veranstaltung so gefesselt, dass sie gerne bis weit in ihre Pause hinein ihre Fragen beantwortet haben wollten! Bei der Verabschiedung wurde Frau Hofmeister noch gefragt, was sie denn alles so bei sich habe: Schlagstock aus Stahl, Taschenlampe, Handschellen. Pfefferspray, Funkgerät, Einweghandschuhe und eine Schusswaffe.

Ein ganz großes Dankeschön an Frau PHM’in Michaela Hofmeister, die die Jugendlichen begeistert, bestens informiert und wachgerüttelt hat. 

OStRin Birgit Israel

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