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Stadtgeschichte 120   1Traunreut – Eine Stadt im Herzen des Chiemgaus. Wenn man von Traunreut hört, heißt es meistens nur, es sei eine Migrantenstadt, in der sowieso nur jeder Zweite Deutsch spreche und auch die bayerische Sprache fast nicht vertreten sei. Herr Haase vom Stadtarchiv Traunreut hat uns, dem W-Seminar Geschichte (Leitung Fr. Hollmann), einiges über die Geschichte unserer Heimatstadt erzählt und uns einen Überblick über den Gründungsverlauf gegeben.

Als es 1938 zu dem Beschluss kam, man brauche eine Fabrik, um Giftgase abzufüllen, bot sich der Ort, wo heute Traunreut liegt, besonders gut an. Damals gab es hier nämlich einen undurchdringlichen Wald, der sich hervorragen als Tarnung eignete.  Also baute man die Anlage hier, da man sich sicher war, dass sie niemals irgendjemand entdecken werde. Herr Haase geht persönlich allerdings davon aus, dass die Amerikaner sehr wohl von der Anlage Bescheid wussten, und sie aufgrund der dort vorhandenen Gifte, die beim Angriff alles zerstören würden, keine Bombe abgeworfen haben.

Im weiteren Verlauf der Geschichte kam es dazu, dass das Gift entsorgt werden musste, nachdem die Amerikaner die Fabrik 1945 gekauft hatte. Man warb Leute an, die das Giftgas Lost entsorgen sollten. Die dort arbeitenden Menschen trugen Giftgasmasken und Schutzkleidung, da schon ein Tropfen des Gifts sehr schädlich für den Körper ist. Für die Entsorgung des Giftes erhielten die Arbeiter einen Wohnsitz (Holzbaracken) und einen festen Arbeitsplatz. 

Nach einiger Zeit hatte man festgestellt, dass die bisherige Entsorgung von Lost sehr umständlich sei und versenkte einen Großteil des Giftes in der Ostsee. Man geht davon aus, dass rund 80 Prozent auf diese Weise ins Meer verbracht wurden. 

Zudem baute man zur Aufbewahrung sämtlicher Munition die sogenannten P-Häuser. Sie sind heute noch vorhanden, beispielsweise das Heimathaus oder die Jugendsiedlung. 

Die eigentliche Gründung der Stadt begann dann mit dem Zuzug der Firma Siemens. Als 1945 die Fabrik in Berlin ausgebombt wurde, beschloss Walter Mohr mit seiner Firma nach Hof umzuziehen. Später zog er abermals um, und zwar nach Traunreut. Beim Umzug nahm er allerdings die Arbeiter mit. Und so vergrößerte sich die Siedlung nach und nach, bis die Stadt Traunreut 1950 endgültig gegründet wurde.

Im zweiten Teil des Vortrags erfuhren wir dann noch etwas über die vier unterschiedlichen Migrationswellen nach Traunreut. Eine Gruppe waren die Heimatvertriebenen des zweiten Weltkriegs, die in Traunreut leicht Arbeit gefunden haben und deshalb hierher gezogen sind. Das waren Menschen aus dem Sudetenland und Schlesien. 1950 hatte Traunreut 1500 Einwohner, 1980 waren es schon rund 20000. 

Eine zweite Welle war die Gastarbeiter-Migrationswelle, in der vor allem die Griechen und Kroaten nach Traunreut kamen.

Die dritte Welle waren dann die Rumänen-Deutsche. In Rumänien vertrieb man die Deutschen nach dem Weltkrieg nicht, sondern es gab die Möglichkeit des Freikaufs, für den die Anzahl allerdings streng festgelegt war.

Die vierte Welle sind dann die Russlanddeutschen, die zurück in ihre eigentliche Heimat kommen.

Zum Schluss gab es noch einen kurzen Vergleich über die Anzahl der Ausländer in unserer Stadt, woran man erkennt, dass es doch nicht so viele sind, wie wir anfangs gedacht hatten. Die größte Gruppe sind die Kroaten (901), dann die Österreicher (249), gefolgt von Griechen und Russen (Angaben aus dem Jahr 2015).

Abschließend kann man sagen, dass es ein sehr interessanter und strukturierter Vortrag war, aus dem wir viele interessante Fakten über unsere Heimatstadt Traunreut erfahren konnten. Das W-Seminar Geschichte mit seinen aufmerksamen Zuhörern sagt noch einmal „Danke!“

Laura Dziewior (Q11)

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