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KWK 220   1Kunst muss nicht von Können kommen. Kunst muss auch nicht schön sein, muss nicht gefallen, aber Kunst unterliegt immer einem künstlerischen Schaffensprozess und kann auf den Betrachter wiederum inspirativ wirken. Das zeigte sich eindrücklich bei dem Schülerschreibwettbewerb „KunstWortKunst“, der am letzten Sonntag mit einer feierlichen Preisverleihung in der Aula des Traunreuter JHG seinen krönenden Abschluss fand.

Elf Gymnasien aus dem südostbayerischen Raum und ein Museum für Kunstgegenwart waren gemeinsam aktiv und kreativ. Im Rahmen von „KunstWortKunst“, einem Gemeinschaftsprojekt des Schulclusters der Gymnasien der Landkreise Traunstein und Altötting und dem Museum DASMAXIMUM KunstGegenwart in Traunreut, ließen sich 75 SchülerInnen der 9. und 10. Klassen von Kunstwerken inspirierten. Die daraus verfassten Texte wurden von einer literaturfachkundigen Jury ausgewertet: Es gab vier Gewinner. Und keine Verlierer. Denn wer sich auf Kunst einlässt, sich intensiv damit beschäftigt, der kann nicht verlieren, der bereichert sich mit neuen Ansichten, Draufsichten, gewinnt neue Einsichten und prägende Erkenntnisse über das Leben und sich selbst.

Die Schüler durften sich Zeit nehmen, verweilten im DASMAXIMUM, ließen sich tief auf die Werke ein und ließen schließlich ihrer Fantasie freien Lauf. 25 der so entstandenen Texte in Gedichts- oder Geschichtenform wurden in einem kleinen Buch gedruckt und stellen auf diese Weise wiederum Genres übergreifende Kunst dar. In Zusammenarbeit mit den Gymnasien ist dieses Kreativprojekt eine bedeutende Ergänzung zum Lehrplan und findet deshalb seit 2013 im zweijährigen Turnus statt. Bei der Preisverleihung durften alle Anwesenden neugierig sein – und sich in Geduld üben. Denn vor der Laudatio und der Lesung der Preisträgertexte durften alle Schüler, die mitgemacht hatten auf die Bühne, wurden kurz vorgestellt und erhielten von Schulleiter (JHG) Matthias Schmid zum Dank Urkunden und historisch gestaltete Schreibfedern. 

Als willkommene Auflockerung zwischen den Grußworten gab es flotte Musik von der JGH Big Band und der begabten Jungcellistin Laura Dziewior. Erst mit der Laudatio und der Text-Lesung erkannten die Schüler die eigenen Texte und hatten frohe Gewissheit über ihre Preisverleihung, die mit einem Preisgeld von jeweils 200 Euro dotiert ist.

KWK 220   2Der erste Text, „Neon Pink Enlightenment“ war von einem Werk von Dan Flavin inspiriert. Jonas Bartlweber (AKG Traunstein) beschreibt darin ein futuristisch-fiktives Schreckensszenario, welches Themen wie Überwachung und Leistungszwang fokussiert, in dem Menschen zu nummerierten Versuchsobjekten degradiert sind und durch Arbeit innerhalb einer „Community“ Bonuspunkte sammeln müssen. Erst wer genügend Bonuspunkte hat, darf durchs Neon Licht gehen, vom Dies- ins Jenseits schreiten, ohne aber zu wissen wo dieses „Experiment“ hinführt. In Hinblick auf weltpolitische Entwicklungen ist der Text erschreckend naheliegend. 

„Erzähl.“ Ist der Titel des zweiten Textes, der von einem Werk von Uwe Lausen inspiriert wurde: Zu sehen ist ein älterer Herr, der in einem Sessel sitzend in Richtung eines leeren Stuhls blickt. Für die Autorin Christine Becker (JHG Traunreut) scheint er, wie man ihrem Text entnimmt, zu warten: „Ich will, dass du mir alles erzählst.“. Er will alles über sein Gegenüber erfahren, will dessen Innerstes – Vergangenes, Zukunftspläne, Gefühle, Vorlieben und Träume – einfach alles, was den andern ausmacht erfahren, und lädt über eine Reise nach innen schließlich zur (vielleicht psychoanalytischen) Selbstreflexion ein. 

Von verblüffender innerer Reife der Autorin Veronika Burghardt (Maria-Ward-Gymnasium Altötting) zeugt auch der dritte Text, „Der Baum“, inspiriert von einem Werk von Imi Knoebel. Das Betrachten erzeugte in der Autorin eine wahre Flut von Assoziationen von Standhaftigkeit, Hoffnung, Mut, Vertrauen, aber auch von Verworrenheit oder von Gegensätzlichem, das vielleicht das Wesentliche spiegelt und indem ein Schlüssel zur Selbsterkenntnis liegen kann. 

„The large Landscapes“ von Walter De Maria inspirierten zu dem Text „Das Tal“: Neun gerahmte „Bilder“, auf denen mit zarter Schrift auf weißem Papier jeweils neun Begriffe zu lesen sind: Crater, Sky, Clouds, Sun, Mountain, River, Grass, Field und Trees. Die Autorin Julia Bauer (Kurfürst-Maximilian-Gymnasium Burghausen) nimmt den Leser mit auf eine Gedanken- und Gefühlsreise, die poetisch beschreibt, was diese Begriffe in ihr auslösten. Dabei lässt sie stimmig nachspüren, wie die einzelnen Wörter für sie miteinander in Verbindung stehen und sich gegenseitig beeinflussen. Ergebnis ist ein wunderbar meditatives Kopfkino, eine Gefühlserlebnis- oder Traumreise, die Lust aufs Lesen, Leben und Träumen macht. Das gilt übrigens für das gesamte Projekt, in das alle Beteiligten, insbesondere Studiendirektorin Theresia Bauer, die Direktorin des Museums DASMAXIMUM, Dr. Birgit Löffler und die Jury so viel Herzblut investiert haben – aber besonders eben für die in Worte gefasste Kunst der talentierten Jungautoren, denen es auf ganz unterschiedliche Weise gelang, der Kunst junge Stimmen zu verleihen. 

Kirsten Benekam

 

Grußwort von Prof. Dr. Michael Piazolo

 
 

 

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